Ganz schön entschlossen, dieses grüne Ampelmännchen. Läuft los mit dem Kreuz in der Hand. Energisch, ohne zu zögern. Entschlossen und überzeugt: Das klappt, ich gehe los und werde ankommen. Den Blick nach vorn, auf seinen Weg und auf das Kreuz gerichtet. Das andere Männchen, normalerweise rot, jetzt gerade farblos, bleibt genauso entschlossen stehen. Breitbeinig, die Arme in die Seiten gestemmt. Ich bleibe, wo ich bin, mich bringt hier keiner weg.
Bei diesem Bild vom Ampelmännchen, das ein Kreuz hochhält, denke ich an ein Bibelwort, mit dem ich mir lange Zeit eher schwer getan habe. Es steht im Markusevangelium (8,34). Da sagt Jesus: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Sich selbst verleugnen, das klingt auf den ersten Blick so, als ob man sich selbst ablehnen sollte.
Heute verstehe ich das so: Ich bin nicht selbst das Größte für mich. Ich bin nicht mein:e eigene:r Wegweiser:in. Ich folge einem anderen, und das Kreuz ist sein Zeichen.
Das normalerweise rote Ampelmännchen, das die Arme in die Seiten stemmt und stehen bleibt: Das bin ich, wenn ich bei mir selbst stehen bleibe. Das bin ich im Stillstand. Das grün leuchtende Ampelmännchen, das losläuft, in Bewegung kommt, dem Zeichen Jesu folgt: Das will ich jetzt sein. Mich neu ausrichten, alte Gewohnheiten hinter mir lassen und neue ausprobieren. Diese Wochen der Passionszeit, die auf Ostern zulaufen, sind dafür eine gute Gelegenheit.
Mut und Energie zum Loslaufen wünscht Euch
Eure Studierendenpfarrerin Anja
Foto: ©Colourbox